03                        
04                        
05                        
Kalenderblatt Oktober 2005
von Robert M.
etuxx
Dokumentarfilm von Eric Black und Frauke Sandig
Länge: 92 Min.
OmU - Farbe
Verleih: Piffl
ab 27.10. im Kino
Frozen Angels
Kalifornien ist nicht nur Export-Weltmeister in Sachen Film und Pornofilm, sondern schickt sich auch an, in der Reproduktionsindustrie auf einen weltweiten Führungsplatz Anspruch zu erheben.

Egal ob ihre Eizellen 'in vitro' befruchtet werden sollen, sie einen Samenspender suchen oder eine Leihmutter brauchen oder aber ihr Baby klonen wollen, hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist alles erlaubt, was Profit verspricht. Während in Europa Samenspenden lange verboten waren, führte man in Kalifornien die erste und weltweit größte Samenbank ein. Inzwischen hält man sogar tiefgefrorene Embryonen vor und es gibt Spezialisten, die jung verstorbenen Männern auch noch 30 Stunden nach dem Tod Samen entnehmen können, um ihren Frauen zu helfen, das nachzuholen, was sie bisher verpasst haben.

Ausgehend von der Radio-Talkshow Bill Handels, des Gründers der weltweit größten Agentur für Ei-Spenderinnen und Leihmütter, werden Protagonisten des Geschäfts mit der menschlichen Fortpflanzung vorgestellt. Wir begleiten eine Leihmutter bis in den Kreisssaal, wo das erste Schreien des Babys auf dem Flur zu tumultartigen Freudenszenen der zukünftigen Eltern führt, während für die Leihmutter der Job hiermit erledigt scheint. Wir lernen eine Ei-Spenderin kennen, deren Beliebtheit bei den Kunden wohl nur auf die blauen Augen und blonden Haaren und ihre liebreizende Gestalt zurückzuführen ist. Wir hören von Wissenschaftlern, dass es vielleicht besser wäre sich nur noch künstlich fortzupflanzen, um Erbkrankheiten auszuschließen und Fähigkeiten ins Erbgut einzubauen, die einem zukünftigen Nachwuchs nur von Vorteil sein können. Wir erfahren, dass wir Europäer in unseren Moralvorstellungen Jahrzehnte zurück sind und sind gleichzeitig überrascht, dass in einem Land, wo Abtreibung und Sterbehilfe tabu sind, man so problemlos mit der unnatürlichen Erzeugung von Leben umgeht. Dies geht bis zur Eugenik, ein erstaunliches Phänomen, dass mit einem kurzen Blick auf die Umsatzzahlen erklärt wird.

Was anfangs aus medizinischen oder auch sozialen Gründen vertretbar erschien, entwickelt sich hier zu einer komplexen Industrie, die die erstaunlichsten Stilblüten zeigt. Und während die Politiker noch diskutieren, ob man der Technik Grenzen setzen muss oder einfach nur die Gewinne einfährt, bevor es jemand anderes tut, hat die Industrie schon längst neue Reproduzierungstechniken entwickelt, für die es noch längst keine Bestimmungen oder Gesetze gibt. So kommt einem diese Dokumentation gelegentlich etwas gespenstisch vor. Ein Horrorfilm, der bekannte Utopien wie "Schöne neue Welt" und "1984" auf den Kopf stellt und ein Szenario malt, in dem die Gedanken wieder frei sind, allein die Gene nicht. So gesehen hat man das Problem quasi an der Wurzel gepackt.

Der Film von Frauke Sandig und Eric Black wurde in Sundance uraufgeführt und in Nyon mit dem "Prix de public de la ville de Nyon" ausgezeichnet. Kalle Somnitz (Filmkritik übernommen mit freundlicher Genehmigung von etuxx www.programmkino.de)


etuxx His candle didn't burn out long before
Für Elton ein Trinkgeld, für die Welt ein Zeichen? Elton John unterstützte jüngst Homosexuelle in Nepal mit einer Spende von 25.000 £ (37.000 ) für die Behandlung von Aids-kranken Schwulen und Lesben. Das besondere daran ist, dass es die einzige Gruppe für die Rechte Homosexueller in Nepal ist. Das Geld werde für ein Spital zur Behandlung von an AIDS-kranken Schwulen und Lesben eingesetzt, sagte Sunil Babu Pant von der Blue Diamond Society am 5.10. in Kathmandu, der Hauptstadt des Königreichs. Laut WHO-Schätzungen sind 60.000 der 27 Millionen NepalesInnen mit HIV infiziert. Ein Bericht bei etuxx queer.de.


etuxx Kürbissuppe
Zutaten: 1 Hokkaido-Kürbis, 2 Knoblauchzehen, 2 mittelgroße Zwiebeln, ein fingergroßes Stück Ingwer, 1 kl. Dose Kokosmilch, etwas Curry, etwas Tomatenmark (beides nach Geschmack - kann man auch beides weglassen), Salz, Kürbiskerne, Petersilie.

Zubereitung: Kürbis gut waschen und in Spalten schneiden, Kerne und grobe Fasern herauslösen, den Stielansatz entfernen. Kürbisfleisch mit der Schale (die kann man nur beim Hokkaido mitessen!) grob würfeln, Zwiebel schälen und grob hacken, die Knoblauchzehe abziehen, den Ingwer putzen. Alles in der Kokosmilch 15 bis 20 Minuten bei leichtem Feuer garen, mit dem Pürrierstab mixen. Zu sämige geratene Suppen ruhig mit Wasser verdünnen. Ganz wichtig: Erst salzen, dann die restlichen Gewürze (Curry/Tomatenmark) nach Gusto hinzugeben. Kürbiskerne separat in einer Pfanne mit wenig Öl rösten, Petersilie (glatte) hacken. Die gefüllten Suppenteller mit beidem reichlich toppen. Frisch aufgebackene Baguettes oder anderes Weißbrot dazureichen.


etuxx Zu schwul
Teheran zeigt westliche Kunst, zensiert. Der britische etuxx Guardian berichtete vom ausgestellten Triptychon Francis Bacons "Zwei liegende Figuren auf einem Bett mit Wächter" in der aktuellen Exibition im Museum für moderne Kunst in Teheran. Der mittlere Teil die Dreiteilers wanderte wieder in den Keller, zu schwul. Das Museum besitzt etliche Klassiker von Picasso, Grosz, Pollock und De Kooning - alle samt stammen aus Ankäufen des gestürzten Könighauses vor der islamischen Revolution 1979 und wurden seit dem auch nicht mehr gezeigt. Chatami ebnete seinerzeit noch Wege für die jetzige Ausstellung. By the way: Der islamische Gottesstaat besitzt die größte Sammlung westlicher Kunst außerhalb Europas und den USA. Dass diese Schätze unter der aktuellen Regierung einem Publikum zugänglich gemacht werden, bleibt höchst unwahrscheinlich, der Museumsdirektor nahm (musste nehmen?) schon seinen Hut.
Übrigens: Falls Sie Francis Bacon gar nicht kennen, im Oktober eröffnet in Hamburg eine etuxx Ausstellung: "Francis Bacon. Die Portraits", ab 14. Oktober 2005 bis 15. Januar 2006 (Hamburger Kunsthalle). Bacons hier ausgestellte Werke zeigen moderne Menschen – in in ihrer existenziellen Zerrissenheit, ihrerr sozialen Vereinsamung und ihrer kreatürlichen Rohheit. Hans-Joachim Müller stapfte schon mal durch die Exibition und ergab sich soeben in der ZEIT: "Die Menschen in Francis Bacons grandiosen Porträts sind Opfer, Malopfer. Der Künstler verbiegt, zerdrückt, zerknetet sie. Eine Ausstellung in Hamburg zeigt die besten zerstörten Gesichter." etuxx Weiterlesen.


etuxx Goldener Oktober
Genießen Sie ihn!
Ihr Robert M.

Funken Mariechen: Wann wird denn das Kalenderblatt endlich abgerissen? Es ist doch längst Karneval. Wenn auch keiner der Kulturen.