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Genial banal. Das Mahnmal
von Rocío Maria Sonado






















































elmgreen/dragset

Mann oder Frau?
Ingar Dragset (hier links) versteht zwar das Anliegen der Lesben. Für ihn persönlich aber ist das eine Frage, die in den Zeiten von queer nicht mehr im Vordergrund stehen dürfte.


























Der Ruf nach dem Gesetz
macht die Misere deutlich,
in der sich sich die Politik
der Lesben und Schwulen
in Deutschland befindet:


Auszug aus dem
Bundesgremien-
besetzungsgesetz:


1 Gesetzesziel:
Der Bund und andere am Besetzungsverfahren von Gremien Beteiligte haben nach Maßgabe dieses Gesetzes darauf hinzuwirken, dass eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Gremien geschaffen oder erhalten wird.

2.1 Gestaltungsbereich:
Gremien im Sinne dieses Gesetzes sind Vorstände, Beiräte, Kommissionen, Ausschüsse, Verwaltungs- und Aufsichtsräte, kollegiale Organe und vergleichbare Gruppierungen (...) soweit der Bund für deren Mitglieder Berufungsrechte oder Entsendungsrechte hat.

Ganzer Wortlaut























Bildnachweis:

Die beiden Bilder zum Mahnmal sind dem Prospekt einer Ausstellung zu den Alternativ-Entwürfen entnommen, die im Mai 2006 in der Akademie der Künste am Pariser Platz stattfand. Weitere Infos

Das Bild von der Diskussion wurde von Ulli Würdemann zur Verfügung gestellt. Auf seinem Blog wurde die Veranstaltung diskutiert.
Die Schieflage des geplanten Mahnmals für die lesbischen und schwulen Opfer des deutschen Faschismus könnte sich als das eigentlich Geniale am Kunstwerk erweisen. Sie dokumentiert die Situation, in der sich die Politik der Lesben und Schwulen in Deutschland befindet.

Der Entwurf zum Mahnmal für die verfolgten lesbischen und schwulen Opfer des deutschen Faschismus steht. Es hat ja auch lange genug gedauert. Vom ersten Aufruf bis zum heutigen Tag sind 14 Jahre ins Land gegangen. Wer allerdings meint, dass nun endlich gebaut werden kann, hat sich getäuscht. Denn einmal mehr stellen grundsätzliche Bedenken das Vorhaben in seiner jetzigen Form in Frage. Das kann auch die jüngste Presseerklärung des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD) und seine Ende August einberufene Diskussionsveranstaltung zum Thema nicht verschleiern. Im Gegenteil, der Wortlaut der Erklärung klingt so bemüht freundlich, dass selbst den gänzlich Unbeteiligten auffallen müsste, dass da etwas nicht stimmt. Immerhin, so heißt es, leiste das Konzept von Elmgreen und Dragset "eine künstlerisch beeindruckende Annäherung an die Aufgabenstellung." Und weiter: "Gleichwohl halten wir eine weitere inhaltliche Konturierung (sic!) für notwendig, um auch Lesben sichtbar in die Gestaltung des Gedenkortes einzubeziehen."

Tatsache ist, dass das gesamte Projekt in eine Schieflage geraten ist. Und dass die Zeit läuft. Denn 2007 soll ja gebaut werden. Doch wenn jetzt nur noch jongliert wird, droht aus dem Genialen der Kunst schnell das Banale der Politik zu werden. Dokumentiert in einem Stück aus Stein, das eigentlich an Anderes erinnern sollte.

Dabei existiert die grundsätzliche Frage, inwieweit ein Mahnmal an die Verfolgung beider Gruppen, der Schwulen und der Lesben nämlich, erinnern kann, nicht erst seit gestern. Sie steht seit 1995 im Raum. Damals, anlässlich der Diskussion um die Errichtung des Mahnmals in Frankfurt am Main und einem Vorhaben, in Berlin Ähnliches zu tun, meldeten sich auch die Lesben zu Wort. Drei Jahre nach dem ersten Aufruf einiger schwuler Männer. Schon damals wurde deutlich, dass zwar die Verfolgung der weiblichen Homosexuellen im Nationalsozialismus eine andere war als die der männlichen, dass aber dennoch kein eigenes Denkmal dafür errichtet werden sollte. Frau wollte nach ihrem eigenen Anteil darin suchen. Doch die grundsätzliche Lösung wurde verpasst. Sie hätte sehr spannend ausfallen können.

So deutet sich jetzt Schlimmeres an. Emma, die Zeitschrift für das Grobe in Geschlechterfragen, ist auf den Missstand aufmerksam geworden und hat sich in gewohnter Weise eingemischt. Auf einer Unterschriftenliste gegen die männliche Einseitigkeit des Mahnmal-Entwurfs, initiiert von Schwarzer und ihren Frauen, haben sich auch Prominente aus Politik und Gesellschaft eingetragen. Denn es ist Wahlkampf in Berlin. So sind dem Aufruf zur Political Correctness selbstredend auch die Männer gefolgt: Allen voran der Bürger-Meister, Klaus Wowereit, und sein Frauen-Meister Harald Wolf.

Vielleicht war es dieser massive Druck, der auf den Künstlern und ihren Auftraggebern plötzlich lag, vielleicht auch nur eine böse Vorahnung auf das, was jetzt noch kommen wird. Auf jener schon erwähnten einberufenen Veranstaltung mussten sich besonders die Schöpfer des noch Ungeborenen, Elmgreen und Dragset, besonders unwohl gefühlt haben. Befragt, wie sie das angesprochene Geschlechterproblem betrachten, ließ sich der eine von ihnen zu einer nicht ganz unproblematischen Vorbemerkung hinreißen. Mit Denkmälern und Monumenten, so Ingar Dragset, habe er persönlich noch nie viel anfangen können. Es gebe kein einziges, in dem er sich bisher habe wiederfinden können. Das klang irgendwie lustig und sollte es wohl auch. Tatsächlich lachten auch viele, doch wer da lacht, zeigt Zähne.

Vorab eine Entschuldigung bei den Künstlern. Denn so, wie es gekommen ist, hätte es für sie nicht kommen dürfen. Michael Elmgreen und Ingar Dragset stehen am Ende einer Kette von Versäumnissen, die nur noch beschämen dürften. Die neuerliche Debatte, die ihr Entwurf provoziert hat, ist längst nicht mehr die ihre, aber sie wird auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Nun sollen sich die Künstler Gedanken machen, wie sie ihren Entwurf ändern könnten. Nun, da das Kind schon fast geboren ist, mischen sich alle ein, die ihre schmutzige Wäsche noch schnell weiß waschen wollen. Allen voran der LSVD, gefolgt von einer Unzahl bekannter und unbekannter Namen. Und all denjenigen, die sich funktionalisieren lassen für eine Debatte, die nicht mehr aufrichtig sein kann, weil sie ein Teil dieses verkommenen Szenarios geworden ist.

Berlin. Oranienstraße. NGBK. Um von der eigentlichen, der geschlechter-politischen Dimension des Streits abzulenken, hätte der Ort nicht besser gewählt werden können, die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst. Hier geht es um die Kunst. Und schnell zeigte sich, dass sich über den Entwurf zum Denkmal gut streiten läßt. Kein Wunder, denn über Kunst an sich lässt sich immer gut streiten. Die bewußte Anlehnung an die Beton-Stelen Eisenmans beispielsweise, das Guckloch mit dem Film im Innern, eine projizierte Kussszene zwischen zwei Männern. Wer so etwas eher als banal empfindet, hätte schon Monate zuvor gern die Gelegenheit gehabt, über all die anderen eindrucksvollen Entwürfe öffentlich zu trauern, die endlich vorgestellt wurden, nachdem sie fallen gelassen worden waren.



Schon der Begriff "homo" in der Verkürzung "Homo-Mahnmal"
ist aus Perspektive der Lesben ein Problem. Denn mit "homo"
werde nicht "Mensch" sondern "Mann" assoziiert. Auch dieser
Entwurf von Holger Beisitzer hätte also kaum Chancen auf eine
problemlose Umsetzung gehabt (er war in engerer Auswahl).

Warum also jetzt noch darüber streiten? Warum also jetzt, da die Auswahl gelaufen ist und der Entwurf steht, noch die Stimme erheben? Weil der LSVD darum bittet? Weil Emma & Co protestieren? Weil jetzt plötzlich das trügerische Versprechen besteht, dass sich die Lesben mit ihrer Verfolgungsgeschichte doch noch im Mahnmal wiederfinden könnten?

Die Rhethorik der LSVD-Erklärung ist unübertrefflich und ihre Entlarvung hätte postwendend kommen können. Doch auch an diesem Abend wurde das Problem nicht grundsätzlich debattiert, sondern so, wie es sich der Veranstalter gewünscht hatte. Eine Bemerkung, die möglicherweise auf das richtige Gleis hätte führen können, wurde schnell überhört, übrigens auch und gerade von den Frauen. Ilse Kokula, seit Jahrzehnten auf dem Gebiet der Diskriminierungsgeschichte der Lesben zu Hause, brachte es auf den Punkt: Nicht der Mahnmal-Entwurf sei das Problem, sondern der politische Prozess, der dieser Entscheidung zugrundelag. Am Ende habe ein Auswahlgremium gestanden, das schon rein rechtlich falsch besetzt gewesen sei: zwei Frauen und neun Männer. Denn das Bundesgremien-besetzungsgesetz schreibe in der Besetzung öffentlicher Gremien durch den Bund Geschlechterparität vor. Und weiter, so Kokula, keine Jury dieser Welt sei gezwungen, das zu nehmen, was geboten werde: "Wir müssen diese Entscheidung nicht akzeptieren".

Mensch war erstaunt und lachte abermals - doch akzeptierte. Und so ging das Spiel des LSVD, den "künstlerisch beeindruckenden Entwurf inhaltlich zu optimieren", zumindest an diesem Abend auf. Nach einer kurzen Unterbrechung wurde fortgesetzt, was angesetzt war, und der so wichtige Einwurf verkam zur Randbemerkung. Genug Zeit blieb noch für Künstler und Geladene, ein bisschen zu reden, sich aufzuregen oder auch nicht, vor allem aber die eigene Kreativität in großer Runde unter Beweis stellen zu können. Am Ende gingen alle angeregt nach Hause.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass dieses Spiel des LSVD rechtzeitig entlarvt wird. Ist doch der Ruf nach einem Gesetz, das Gleichberechtigung vorschreibt, schon selbst ein Armutszeugnis für die Unfähigkeit der Lesben und Schwulen, miteinander zu kommunizieren. Jetzt sollten die Schöpfer ihres Werkes Rückgrat zeigen und folgerichtig den Entwurf zurückziehen. Sie sollten selbstverständlich dafür entschädigt werden. Und endlich sollte das Gremium bestimmt werden, das sich selbst - und nicht durch den Ruf nach einem Gesetz - legitimiert. Nämlich durch einfache Geschlechterparität. Das wäre das Mindeste, was jetzt noch verlangt werden kann. Die Verantwortlichen für diese Misere zu finden und auch noch zur Rechenschaft zu ziehen, wäre wohl zu viel. Der Knall, den Solches verursachen würde, wäre auch so schon groß genug, doch zu befürchten ist das Gegenteil: Dass nämlich wieder Stille einkehrt, diesmal allerdings gegründet auf einem Stillschweigeabkommen, bestehend aus einer Erklärung und der vorschnellen Befriedigung von Diskussionsbedarf.


holger: der journalismus wird auch immer schlechter: ich hatte nie griechisch oder latein, aber das "homo" in "homosexuell" nicht "mensch" (wie in "homo sapiens", "homo erectus") bedeuten kann, sollte sich doch jedem erschliessen der mitdenkt: homosexualität ist zwar etwas zutiefst menschliches, aber das wars dann auch mit der verbindung homo=mensch. denn was sollte dann heterosexualtität sein?! bleibt also doch nur die griechische variante: gleichgeschlechtlich. das mag ja auch mit mann assoziert werden aber das liegt wohl eher an der unkenntniss der bedeutung unserer sprache (zu der die presse freilich ordentlich beiträgt.) ... ;-)  
RoMaSo: Danke für die kritische Anmerkung, lieber Holger, die ich aber in die Runde weiterleite. Du brauchst Dir um den Journalismus hier keine Sorgen machen, zumal der Autor des Lateinischen kundig ist und auch weiß dass homogenisierte Milch zwar von Menschenhand bearbeitet aber immer noch von Kühen stammt. Die Bildunterschrift ist ein Gedanke, der während der Veranstaltung geäußert wurde.  
sapiens@holger: wow, nie griechisch oder latein? und dennoch in der lage, das journalisten-dissen mit der griechischen liebe zu begründen?? is ja beeindruckend! - aber dass bei "homo-" (schwule) männer assoziiert werden, liegt wohl tiefer im realen leben im patriarchat begründet, als dass du es grad der presse (bei aller unbestrittenen niveaulosigkeit) - und erst recht nicht etuxx - "ordentlich" in die schuhe schieben könntest... ;-))  
tim.randale: opfergruppenrating (juden/sinti&roma/schwule/kommunisten/lesben/...) gegen schwarzers emanzipationskeule in tateinheit mit queering gender ist in sich widersprüchlich. es geht extrem von einer homoeinheit (schwul/lesbisch/trans/gender/anders/bla/bla) aus, deren brille nicht für das gendenken der naziopfer taugt.  
tim.randale: andererseits empfinde ich die künstlerische mahnmal-umsetzung der "gewinner" elmgreen und dragset eher als eine mittelmäßige idee auf niveau eines schülerzeitungswettbewerbs.  
Michael Elmgreen & Ingar Dragset: "Ein Porträt ist keine Repräsentation" - Stellungnahmen von Elmgreen & Dragset auf den Artikel "Mal wieder die Frauen vergessen!" erschienen in der Zeitschrift EMMA  Stellungnahmen der Künstler
LSVD - Pressestelle, Berlin, 20.09.2006: (...) Das Denkmal selbst darf jedoch keinen Lesben ausschließenden Charakter bekommen. Durch die derzeit geplante Darstellung entsteht der Eindruck, das Mahnmal beziehe sich ausschließlich auf schwule Männer. Das Denkmal soll auch ein Lernen aus der Geschichte im Sinne eines "Nie wieder" symbolisieren. Gerade für die Aufgabe, gegenwartsbezogen ein Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen, dürfen Lesben nicht unsichtbar bleiben - genau dies ist nach dem geplanten Entwurf jedoch der Fall. Es ist keinesfalls ausreichend, Lesben im Rahmen einer zusätzlichen Information zu berücksichtigen; sie müssen vielmehr integrativer Teil der künstlerischen Darstellung sein.  
LSVD - Pressestelle, Berlin, 20.09.2006: Der LSVD respektiert die künstlerische Freiheit der Künstler. Seine Forderungen sind politischer Natur und richten sich in erster Linie an die verantwortlichen Entscheidungsgremien. Der LSVD fordert die Bundesregierung, insbesondere den Kulturstaatsminister, den Berliner Senat und die Künstler auf, die inhaltliche Diskussion an dieser Stelle weiterzuführen sowie sicherzustellen, dass der Bundestagsbeschluss in allen drei Punkten ("die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wach halten und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen") Berücksichtigung findet.  LSVD-Positionen zur Denkmalsdiskussion
die EMMA-Redaktion, Köln, 4.9.2006: Email an die UnterzeichnerInnen des Protests gegen das frauenfreie Homo-Denkmal: Wie den Medien zu entnehmen ist, hat am Montag, den 28. August, in Berlin eine öffentliche Diskussion mit den beiden Künstlern Michael Elmgreen und Ingmar Dragest, deren Entwurf von der Jury ausgesucht worden war, stattgefunden. Das homosexuelle Künstlerpaar riet Lesben erneut, doch nicht kleinlich zu sein und sich einfach "mit dem Mahnmal zu identifizieren". Außerdem fanden die beiden Männer die Kritik "populistisch" und beriefen sich auf ihre "künstlerische Freiheit". Die Sache hat allerdings mehrere Haken.  
die EMMA-Redaktion, Köln, 4.9.2006: Haken 1: Diese künstlerische Freiheit kann sich nur innerhalb des Rahmens der Ausschreibung des Mahnmals durch den Bundestag bewegen, in deren Absatz 1 es heißt: "Die Bundesrepublik Deutschland errichtet in Berlin ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Mit diesem Gedenkort wollen wir - die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, - die Erinnerung an das Unrecht wach halten, - ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen.  
die EMMA-Redaktion, Köln, 4.9.2006: Dieser Entwurf aber dessen Gestaltung abstrakt ist und der da, wo er konkret wird, ausschließlich ein sich küssendes Männerpaar zeigt schließt Lesben aus und verstößt damit gegen die Ausschreibung. - Haken 2: Das Bundesgremien-Besetzungsgesetz (...) schreibt vor, dass Gremien "im Einflussbereich des Bundes" paritätisch mit Männern und Frauen besetzt werden. Die Jury aber, die über das Mahnmal entschieden hat (Kostenpunkt 430.000 Euro), war mit 9 Männern und 2 Frauen besetzt. Hinzu kommt: 10 von 11 kamen aus dem künstlerischen Bereich, nur einer aus dem politischen (...).  
die EMMA-Redaktion, Köln, 4.9.2006: Eine solche rein auf die Ästhetik gehende unpolitische Jury-Besetzung wäre wohl bei dem Holocaust-Denkmal undenkbar gewesen. - In der Form ist der Entwurf auf jeden Fall inakzeptabel, auf allen Ebenen. Welche fatalen Folgen die Ausgrenzung der Frauen bei einem symbolisch wie künstlerisch so eminent wichtigen Mahnmal haben wird, zeigen schon erste Reaktionen: Stimmen, die behaupten, nur homosexuelle Männer seien im Dritten Reich verfolgt worden. Dass dies historisch falsch ist, wissen politisch Informierte. Schließlich beweist dies nicht nur seit Jahren und Jahrzehnten die Forschung, sondern auch das Zeugnis der noch lebenden Verfolgten:  
die EMMA-Redaktion, Köln, 4.9.2006: Weibliche Homosexualität wurde ignoriert bis verfolgt, subtil oder brutal unterdrückt. Lesben wurde im KZ noch nicht einmal die "Ehre" des rosa Winkel zuteil, sie trugen das schwarze Asozialen-Stigma, wurden aber in den Lagerkarteien als "lesbisch" geführt (siehe dazu auch die aktuelle EMMA bzw.  www.emma.de).
die EMMA-Redaktion, Köln, 4.9.2006: Doch noch ist es ja nicht zu spät. Das Mahnmal liegt bisher nur im Entwurf vor und kann ja muss entsprechend korrigiert werden. Durch die Künstler selbst. Durch eine neue Entscheidung der Jury (bzw. einer richtig besetzten Jury). Oder durch den Eingriff der politisch Verantwortlichen: Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (der zu den ErstunterzeichnerInnen des Protestes gegen das Mahnmal gehört). Engagiert euch weiter! Wir berichten weiter.  
RoMaSO: Nein, EMMA: Wir brauchen keinen Kampfaufruf und keine Kampfberichterstattung. ("Engagiert euch weiter! Wir berichten weiter.") Wir wollen auch nicht auf dem Wege der Falschinformation darauf eingestimmt werden. Z.B. Die Künstler hätten auf der Veranstaltung den Lesben zu irgendetwas "geraten". Blanker Unsinn!  
kleiner Spalter: Ich hab mal die Stellungnahme der Künstler rausgesucht. Ich finde ihre Interpretation des Ganzen im übrigen recht sympatisch und eher den Sturmangriff von Emma auf die künstlerische Freiheit bedenklich ...  Stellungnahme der Künstler
rückfragen: nix gegen sümpatüsche interpretationen von sümpatüschen künstlern, aber entgegen dem auftrag für ein "beständiges Zeichen gegen (...) Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben" letztere optisch auszugrenzen (indem nur männer sichtbar werden), ist das nicht doch eine zu weite "künstlerische freiheit"?? und was an dem emma-aufruf (hab ich auch mal "rausgesucht", haha, ist ja eh alles schon mal oben verlinkt) soll eigentlich ein "sturmangriff" auf die künstlerische freiheit sein? - und nicht nur die einforderung einer selbstverständlichkeit: der korrekten umsetzung des auftrags des bundestagsbeschlusses, der nun mal - völlig angemessen! - lesben ausdrücklich einbezogen sehen will!  \'rausgesucht\': der emma-aufruf
emma-aufruf: Unterschriftenaktion: Für Frauen im Homo-Denkmal! "Ich protestiere dagegen, dass das geplante Homo-Denkmal in Berlin ausschließlich männliche Homosexuelle zeigt und fordere, dass auch die weiblichen Homosexuellen angemessen berücksichtigt werden." Wenn Sie sich dafür einsetzen wollen, dass das geplante Mahnmahl auch der homosexuellen Frauen gedenkt, beteiligen Sie sich an dieser Unterschriftenaktion: Schreiben Sie uns Ihren Namen, Beruf/ Funktion und Wohnort per E-Mail an redaktion@emma.de. Außerdem können Sie Protest und Kritik direkt an die LSVD-Initiative "Der Homosexuellen NS-Opfer gedenken" richten: info@gedenkort.de. Hier geht es zur  Liste der UnterzeichnerInnen
boy22bln: Offenbar war die Verfolgung der Schwulen eine andere als die Verfolgung der Lesben in der NS-Zeit. Das gibt auch die EMMA zu: "Lesben wurde im KZ noch nicht einmal die 'Ehre' des rosa Winkel zuteil, sie trugen das schwarze Asozialen-Stigma, wurden aber in den Lagerkarteien als 'lesbisch' geführt." Wäre nicht ein eigenes Mahnmal für Lesben unter diesen historischen Bedingungen das einzig Vernünftige? Die Vorstellung, dass Lesben die weiblichen Korrelate der Schwulen seien und vice versa, halte ich für eine Denkweise, die sich erst Ende des 20. Jh.s etabliert hat.  
APPD-Wähler@Emma: Liebe Emma, mit Bestürzung muss ich feststellen, dass Ihre Redaktion offenbar die nationalsozialistische Definition des "Asozialen" in weiten Teilen sich zu eigen gemacht hat. Asozial zu sein ist offenbar für Sie keine Ehre oder "Ehre" oder wie auch immer. Warum ist der schwarze Winkel ein schweres Stigma als der rosa Winkel? Weil Schwule zu unrecht von den Nazis verfolgt wurden, die Asozialen aber vielleicht doch irgendwie zu recht? Das höre ich implizit heraus. Traurig.  
edith @ boy22bln: klar, angesichts der sehr unterschiedlichen art der diskriminierung und verfolgung von lesben und schwulen, die aus unterschiedlichem stellenwert von frauen und männern im patriarchat abgeleitet wurde (nicht erst im deutschen faschismus - und auch noch danach, offenbar bis heute...) wäre ein eigenes mahnmal für lesben angemessen - aber wie realistisch, bei den offenkundig geringeren macht- und einflußchancen gegenüber schwulen männern? und warum wohl hat gerade der bundestag ein gemeinsames ding beschlossen - woran sich die meisten männer nun nicht halten wollen...?  
edith @ APPD-Wähler: lieber APPD-Wähler, mit bestürzung muss ich feststellen, dass du offenbar das zitat von boy22bln für bare münze nimmst - leider ist es wohl von ihm, denn auf der site von emma hab ich es vergeblich gesucht. aufschluß könnte dir also allenfalls er geben - falls er hier noch mal reinschaut. traurig...  
Lesben- /Schwulenverband Bln.-Brandenbg.: Die Mitgliederversammlung des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) e. V. hat am 28. Oktober 2006 die folgende Resolution beschlossen: Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen soll 1. im Sinne des Bundestagsbeschlusses vom 12. Dezember 2003, 2. den historischen Tatsachen gerecht werdend, 3. in Form des im künstlerischen Wettbewerb am 25. Januar 2006 preisgekrönten Entwurfs von Michael Elmgreen und Ingar Dragset verwirklicht werden.  
fassungslos @ lsvd: und was soll das nun genau bedeuten? dass ihr echt keine frauen in eurem berliner ableger habt, die euch das problem hätten erklären können?? diese nullaussage nach der bisherigen debatte ist ja an undifferenziertheit kaum noch zu überbieten...  
edith: es wäre ein widerspruch, den bundestagsbeschluß einhalten zu wollen und zugleich den prämierten, rein männlich ausgestalteten entwurf ohne änderung umzusetzen... aber kein wunder, dass (l)svd-männern sowas nicht auffällt - wozu dann das l im namen?  
brenda@edith: boy22bln zitiert aus dem obigen eintrag der "EMMA-Redaktion, Köln, 4.9.2006" (5. Eintrag mit diesem Titel).  
edith bzgl. EMMA-Zitat: oh, sorry, und dank an brenda! ich verstehe das emma-zitat so: "Ehre" ist zwar keine, der rosa winkel räumte aber schwulen eine eigene kategorie ein, die lesben verweigert wurde (die bzw. deren sexualität/lebensweise dadurch ignoriert/nicht ernst genommen wurde). eine abwertung des stigmas "asozial" lese ich nicht daraus, eher die kritik am männlichen prinzip "loch ist loch, also steht der arterhaltung nix im wege". frauen wurde ja lange zeit eigenes sexuelles empfinden ganz abgesprochen. in diesem sinne kann ich die wertung der emma nachvollziehen!  
rocío maria sonado: ist ebenso fassungslos über die nullaussage der lsvd-presse-erklärung. und fühlt sich bestätigt: alles nur ein großes theater. und eigentlich ein handfester skandal obendrein. wenn das nur ein mensch merken würde...  
onda maris: Denkmal -  was wird realisiert ??
Bart S.: einwurf vom  feddersen
dragonwarrior: und hier noch ein etwas älterer einwurf von herrn feddersen... er änderte seine meinung offenbar sehr schnell als es politisch opportun wurde. was mich inzwischen extrem anwiedert, ist wie sehr diese debatte für andere interessen benutzt wird.  herr feddersen, etwas früher
dragonwarrior: auch ich als mann wünsche mir eine inhaltliche sichtbarkeit lesbischer frauen im denkmal, egal wie unterschiedlich die verfolgung ausgeschaut hat. was ich mir noch mehr wünsche ist allerdings eine andere diskussionskultur, die das thema nicht nur dazu benutzt für die eigene politische plattform, position oder die eigene zeitschrift zu werben. dass die emma sich da jetzt so groß reinhängt, widert viele frauen in meinem umfeld an, die sich ansonsten von der emma kaum gesehen fühlen.  
Andor: Der hier schon wiederholte Auftrag des Bundestags lautet: Es wird ein " D e n k m a l für die im Nationalsozialismus v e r f o l g t e n Homosexuellen" errichtet. Dieses könnte man als die "Widmung des Denkmals" bezeichnen. Es soll eben kein Mahnmal zur Homo-Diskriminierung werden. Zu den Zielen, die mit dem Denkmal erreicht werden sollen, gehören daher die Ehrung der Verfolgungsopfer, das Wachhalten der Erinnerung an das Unrecht und schließlich das "Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung". Der Bundestagsbeschluss sagt nicht, dass über die Widmung des geplanten Denkmals hinaus die anderen Ziele eine bildhafte Repräsentation im zu errichtenden Denkmnal finden müssen.  
edith: nee, andor, so nicht - dein zitat bricht ab vor den entscheidenen worten: der bundestag hat beschlossen, ein beständiges zeichen gegen "Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben" zu setzen - wie, bitte, soll das gehen, wenn zwar schwule "bildhaft repräsentiert" werden, lesben aber nicht??! was wäre diese unsichtbarkeit im ergebnis anderes als ausgrenzung von lesben aus dem denkmal, aus der erinnerung, aus dem gedenken...?  beschlossener antragstext
Andor: @ edith: WEr lesen kann ist klar im Vorteil. In meinem text habe ich die drei Ziele, die der Bundestag _mit_ dem Denkmal erreichen will klar benannt. Das unvollständige Zitat hast Du beigebracht. Schade.  beschlossener Antragstext - HTML-Seite
edith: ja, andor, und weil ich lesen kann, habe ich bemerkt, dass DEIN zitat NICHT "die drei Ziele" des bundestages benennt: zwar klar, aber eben unvollständig (DEINE wortwahl)! drum habe ich es um die m. e. entscheidenden, von dir verschwiegenen vier worte ergänzt. "Zu den Zielen, die mit dem Denkmal erreicht werden sollen", gehört eben nicht irgend ein zeichen gegen irgend eine ausgrenzung, sondern gerade eines gegen die von schwulen UND lesben! und wenn du statt plattem rumgezicke auf meine argumentation eingegangen wärest, wäre dieser vorgang auch weniger schade. SCHADE!